Erschreckende Wirklichkeit

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich euch die Hinterhältigkeit der Modeunternehmen genauer erklären. Es ist nicht nur die Sklavenarbeit, sondern geht schon zur reinen Verarsche der Menschen über. Alles für den Profit.


Insgeheim weiß doch jeder wie die Klamotten, die wir bei H&M, Zara und co. kaufen, hergestellt werden. Aber umso lieber vergessen wir diesen Aspekt, schließlich ermöglichen sie uns, uns modisch zu kleiden und das auch noch zu einem akzeptablen Preis. Sind wir Menschen wirklich so naiv geworden, dass wir die Verachtung der Menschenrechte jetzt schon komplett ausblenden?

Die Kampagne für saubere Kleidung hat die Kostenverteilung einer 100-Euro-Jeans vorgerechnet und das war das erschreckende Ergebnis:

Bei einer 100-Euro-Jeans gehen ein Euro an die Lohnkosten (!), 25 Euro an die Werbung und ganze 50 Euro bleiben beim Händel hängen!


Viel zu junge Menschen kleben Sportschuhe im Sekundentakt und schneiden überflüssige Nähte ab, um dafür einen Hungerlohn zu bekommen. Wir Europäer müssen aber teilweise einen ganzen Monatslohn für diese Ware hinblättern. Das kann doch nicht fair sein.

Kinderarbeit ist dabei eins der größten Probleme, besonders in der Baumwollindustrie. In Usbekistan schließen die Schulen, damit die kostengünstigen Arbeitskräfte Baumwolle pflücken, die Baumwolle mit Pestiziden behandeln oder Unkraut jäten können. Eine gute Bezahlung ist Seltenheit. Überhaupt eine Bezahlung ist keine Selbstverständlichkeit. Schulverweis und Bestrafung jeglicher Art sind die Kinder gewohnt, wenn sie die Quoten nicht erreichen. Textilproduzenten stellen lieber Kinder ein, gerade wenn es um Handarbeit geht. Kinder werden von ihren Eltern verkauft, verschleppt und zu stundenlanger Handarbeit unter schrecklichen Bedingungen gezwungen. Die Menschenrechte bleiben auf der Strecke.


Laut Artikel 23 (Recht auf Arbeit, gleichen Lohn) der Menschenrechte hat jeder Mensch das Recht auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert. ff.


Geld regiert die Welt.


Man denkt vielleicht, dass wenn man 25 Euro anstatt 15 Euro für ein T-Shirt ausgibt, könne man die Bedingungen wenigstens ein wenig verbessern. Die National Labor Commitee (NLC), eine New Yorker Organisation, die sich für Arbeitsrechte einsetzt, bestätigte, dass „Europäische Labels nicht besser seien als amerikanische“ und auch „die großen Moderiesen unter schrecklichen Bedingungen produzieren lassen.“

Im Grunde wird immer noch dort produziert wo es am billigsten ist. Fast Fashion. Der Begriff unter dem jedes Unternehmen arbeitet, um überhaupt noch mithalten zu können. Um der Schnelligkeit Stand zu halten, werden Aufträge an Subunternehmen weitergeben, bei denen die Unternehmen nicht genau wissen, wo und wie sie produzieren lassen. Unternehmen stellen sich daraufhin machtlos da, selbst wenn sie die Einhaltung korrekter Arbeitsbedingungen schriftlich abgesichert wurde. Dennoch sind Unternehmen in der Lage jeden Handgriff der Produktion zu kontrollieren. Die Unternehmen wollen uns mal wieder für dumm verkaufen.


Laut Artikel 24 (Recht auf Erholung und Freizeit) der Menschenrechte hat jeder Mensch das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere aus eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen Urlaub.


Für viele Jugendliche gibt es kaum eine Alternative. Sie besorgen sich gefälschte Pässe, um trotzdem stunden- und tagelang in den Fabriken zu arbeiten. Ansonsten könnten sie ihre Familie nicht unterstützen. Sie haben Angst ihre Arbeit zu verlieren, wenn sie etwas sagen. Verständlich. Die Bildung junger Menschen steht schon lange nicht mehr im Vordergrund.


Laut 26 (Recht auf Bildung) der Menschenrechte hat jeder Mensch das Recht auf Bildung, zu mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. ff.


Damit die Frauen und Jugendliche nicht sofort wieder kündigen, wird oft der erste Lohn gar nicht erst verteilt. Inspekteure kommen selten unangemeldet. Daher können sich die Fabriken auf den Besuch vorbereiten und die Arbeiter werden gezwungen ein gutes Bild von den Arbeitsbedingungen abzugeben. Durch den Zeit- und Preisdruck der europäischen Unternehmen sind die Fabriken gezwungen nach diesem Schema zu handeln. Denn wenn nicht pünktlich geliefert wird, verliert die Fabrik den Auftrag und die Arbeiter schlussendlich ihre Arbeit.


Bei all den schrecklichen Bedingungen wird aber kein Wort über die Menschenrechte verloren. Kapitalismus. Wo bleibt die Würde der Menschenrechte? Ich habe das Gefühl, dass den Menschen der ersten Welt das Leid anderer Menschen nicht besonders wichtig ist. Sind wir wirklich so naiv geworden? Da kann man doch nicht einfach wegschauen. Da merkt man doch erst, dass die Würde der Menschenrechte noch keine Selbstverständlichkeit ist. Auch wenn viele davon ausgehen.


Ein Wechsel auf Biobaumwolle kann schon viel helfen. Oft ist es nur noch ein kleiner Preisunterschied, aber daher wird die Produktion vom Acker bis in den Kleiderschrank stärker kontrolliert. Dazu kommt in Zukunft aber noch mehr. Seid gespannt 😉

Faire Kleidung heißt Sauberkeit und Sozialverträglichkeit der Ware. Keine Kinderarbeit, Freiheit in den Gewerkschaften und faire Löhne.


Verweise:

  • Saubere Sachen, Kirsten Brodde, 2009, Teil 2, Kapitel 4
  • Menschenrechte Amnesty International (https://www.amnesty.de/alle-30-artikel-der-allgemeinen-erklaerung-der-menschenrechte)

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